Der Grundriss

Den richtigen Grundriss zu finden, ist meist nicht so einfach. Oft passen die Vorstellungen mit den Gegebenheiten vor Ort nicht zusammen, die Raumgröße überschreitet eine tragfähige Größe, sodass man noch Stahlträger etc. einziehen müsste. Dies ist budgettechnisch aber wieder indiskutabel… Es ist nun eine ganze Weile her, seit ich meinen ersten Beitrag verfasst habe und ständig hat man das Gefühl, dass es eigentlich noch nicht wirklich etwas zu berichten gibt. Aber auch kleine Etappen sind erwähnenswert und fügen sich am Ende vielleicht doch zu einem Großen zusammen.

Im letzten Beitrag schrieb ich von unserem ersten Besuch beim Architekten. Nach einiger Zeit bekamen wir eine grobe, kleinere Version der Grundrisse Erdgeschoss und Obergeschoss per Mail. Ich ging davon aus, dass wir nun mit dem Architekten einen Termin machen und quasi in 3D das Haus begehen können. Dem war nicht so.

Wir haben uns die Pläne ausgedruckt und dann unsere Änderungen hineingekritzelt. Dieses Prozedere hat mich verärgert, da ich mir vorher die Mühe mit den Plänen gemacht habe und nicht verstand, warum der Architekt nicht nachfragt, wenn etwas missverständlich ist – ich bin schließlich kein Profi und hatte Fragen wie „Warum wollen Sie das so und so und nicht so und so?“ erwartet. Mein Mann besänftigte mich, da der Architekt auf diesem Wege alle Änderungen gebündelt bekomme, was ich auch verstehe. Wir sind ja sicher nicht die Einzigen, die gerade bauen wollen. Ein bitterer Nachgeschmack blieb trotzdem, da einige Fragen schon aus dem Weg geräumt hätten werden können, hätte man sich den Entwurf beim ersten gemeinsamen Termin richtig angeschaut. Vielleicht lag es auch an meiner Vorstellung, was ein Architekt tut. Es war wahrscheinlich zu naiv von mir zu glauben, dass ein Architekt mit einem quasi fertig vorgegebenen Entwurf noch eigene Ideen einbringt. Anscheinend sorgt die Gesellschaft selbst dafür, da jeder alles so schnell wie möglich erledigt haben möchten, dass kein Raum mehr für Kreativität bleibt. Lobend erwähnen möchte ich, dass unser Architekt Fragen umgehend aus der Welt geschafft hat und wir Rückrufe sogar nach seinem eigentlichen Feierabend bekamen. Die unterschiedlichen Stadien der Grundrisse füge ich im Verlauf ein. Abschließend wurden wir zum Termin eingeladen. An dem Punkt war für den Bauantrag schon alles vorbereitet und wir mussten theoretisch nur noch unterzeichnen. Getauscht wurden noch Nord- und Südseite, da der Architekt annahm, die Haustür würde an der Straßenseite und nicht zur Hofseite liegen. Außerdem rücken wir die Außenwand der Ostseite noch um 35cm nach außen, da wir sonst im Schlafzimmer in getrennten Betten schlafen müssten :D.
Nach Unterzeichnen aller Papiere bekamen wir auch die Rechnung für den ersten Teil der Arbeit. Architekten können keine Wucherpreise verlangen, da es eine Honorarsatzung gibt. Daher ist es kostengünstiger, sich im Vorfeld schon konkrete Gedanken zu machen. Der Architekt hat in dem Fall weniger Arbeit, benötigt also auch weniger Stunden, welche am Ende bezahlt werden müssen. In unserem Fall hat er 12 Stunden für die Grundrisse veranschlagt. Dies betrifft aber die reine Planung. Es kommen natürlich noch andere Posten hinzu.

An dieser Stelle möchte ich  noch einmal auf das Thema Finanzierung eingehen, da einige Freunde im Umfeld mehr oder weniger gleichzeitig mit uns bauen. Wir persönlich finden es wichtig im Vorfeld ein kleines Polster angelegt zu haben, welches die ersten Kosten decken sollte. Uns ist bewusst, dass dies bei manchen sicher nicht möglich ist, gerade wenn man das Grundstück erst kaufen muss.  Ein befreundetes Paar zahlt nun Überziehungszinsen, da der Kredit nach einem Jahr nicht aufgebraucht wurde.
Wer das Glück hat, dass er das Grundstück von der Familie bekommt oder dies im Vorfeld selbst finanzieren kann, soll dies tun und bitte auch bedenken, dass hier noch Notarkosten, Kosten für den Grundbucheintrag, den Architekten, das Bodengutachten, einen eventuellen Abriss und damit einhergehend Füllmaterial etc. hinzukommen.

Wir treffen uns kommende Woche mit dem Bauunternehmer unserer Wahl, welcher auch Bausachverständiger ist.  Wir denken, dass das Haus daher nahezu mängelfrei sein wird, da gerade ein Sachverständiger wohl kaum seinem Ruf schaden möchte. Dieser gab uns als Hausaufgabe schon vorab darüber nachzudenken, welches Produkt in welcher Farbe für das Dach in Frage kommt. Ebenso Fenster, Fliesen, quasi alles, damit er uns ein möglichst genaues Angebot machen kann. Mit diesem Angebot gehen wir dann zur Bank.
Alle vorhergehenden schon bezahlten Rechnungen werden dem Eigenkapital zugerechnet.

Hier die Grundrisse EG und OG, wie ich sie mit SweetHome3D geplant hatte:

 

Entwurf Grundriss Erdgeschoss EG mit SweetHome3D

Entwurf Grundriss Obergeschoss OG mit SweetHome3D

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dies hier sind die ersten „Entwürfe“ des Architekten:

 

Grundriss Erdgeschoss EG des Architekten nach unseren Entwürfen

Grundriss Obergeschoss OG des Architekten nach unseren Entwürfen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer genau hinschaut, dem fällt auf, dass a x b nicht = c ist. Das liegt daran, dass der Architekt hier immer noch den Aufputz/Fliesen abzieht.
An den Fenstern steht überall BRH (=Brüstungshöhe) und eine Zahl, die angibt wo die Fensteröffnung von unten gemessen beginnt. Diese haben wir nahezu alle auf bodentiefe geändert. In den Obergeschossen wählen wir hierfür Fenster, die durch eine Querstrebe geteilt und im unteren Teil mit Sicherheitsglas versehen sind.

Hier unsere Änderungen:

Korrektur Entwürfe Architekt EG Erdgeschoss

Korrektur Entwürfe Architekt OG Obergeschoss

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Grundrisse mit den Änderungen haben wir dann nur noch einmal gegengeprüft, ob diese im Bauantrag auch berücksichtigt wurden und hatten noch ein paar Fragen notiert.
Gerade die Küche (bei uns EG Raum 7) ist meist ein Thema, das sich im Vorfeld schlecht planen lässt. Wir hätten gern ein Fenster über der Spüle, aber können jetzt noch nicht sagen, wo genau diese sich befinden wird. Wichtig ist eine grobe Angabe und dass dort auf jeden Fall ein Fenster vorhanden sein soll. Ob wir das Fenster dann noch um 10cm verrücken, ist wohl lt. Architekt für die Anträge nicht relevant. Wichtig ist, dass er es mit einplant, damit er die Statik korrekt berechnen kann.